Mobirise

über



minimal pop (Auszug aus einem Text von Sasa Hanten)

Thomas Martin Dietz, 1962 in Mayen geboren, lebt und arbeitet als Künstler und Designer in Köln.

Zu Beginn des Design- und Malereistudiums in Aachen und an der Kunst Akademie in Düsseldorf beschäftigt sich Thomas Dietz mit Farbfeldmalerei. Es geht ihm zunehmend um die Darstellung von Farbräumen und Volumina. Entsprechend entstehen daneben plastische Arbeiten, die ihrerseits Raumerfahrungen ausloten. 


Auf der Suche nach Plastizität durch dünnsten Farbauftrag experimentiert er mit verschiedenen Malgründen und Techniken des Farbauftrages. Die klassische Leinwand seiner frühen Tafelbilder weicht Aluminium Verbundplatten. Die Lasurtechnik der klassischen akademischen Malerei wird ersetzt durch Spritz- und Lackiertechniken aus der industriellen Fertigung. Zum Ende des Studiums entstehen bereits Arbeiten, die den Malprozess völlig ersetzen, indem er Glas und Plexiglas mit Folien beklebt. Diese frühen Arbeiten weisen markant in eine Zukunft des Künstlers als Grenzgänger zwischen technoidem Design und gegenstandsloser Malerei.


Seither hat Thomas Dietz seine Technik und seine Bildsprache ausgebaut und verfeinert. Sein Werk untergliedert sich heute in drei Hauptgruppen: Die Gestaltung von ganzen Wänden in reiner Farbanlage, ornamentale Interventionen in die gesamte Innenarchitektur eines Raumes/Hauses und schließlich Tafelbilder, die in lakonischer technischer Perfektion, Ornamente in Rhythmisierung, Variation und Auflösung präsentieren.


Die Verwendung von Ornamenten galt in weiten Teilen der bildenden Kunst im Grunde jahrzehntelang als verpönt. Neben einer Moderne, die „form follows function“ postulierte und das Ornament als dekorativen Kitsch, als Verbrechen (Adolf Loos) diskriminierte, gab es immer Positionen, die das Ornament insbesondere als Mittel der Rhythmisierung und der Plastizität zu schätzen wussten. Die Sehnsucht nach dem Ornament, die Faszination, die von einfachen geometrischen Formen ausgeht, wird als Notwendigkeit aus der Flut chaotischer Bildreize eine Auswahl zu treffen angesehen und ist daher kulturübergreifend in allen Gesellschaften und zu allen Zeiten zu finden. Ornamente finden sich auf antiken Tongefäßen genauso wie in Kathedralen. Die Körperkunst mit Hennabemalungen und Tätowierungen von Naturvölkern bedient sich genauso wiederkehrender Muster wie Pixel-Art und Kommunikationsdesign des 21. Jahrhunderts.


Seit Beginn des neuen Jahrtausends erlebt die Hochschätzung des Ornaments in der westlichen Kunst eine Renaissance. Die besondere Wahrnehmung von künstlerischen Einzelpositionen wie Peter Kogler und Martin Wöhrl der jüngeren Generation und Sol LeWitt, A.R. Penck und Keith Haring der Generation davor, aber auch Gruppenausstellungen zu dem Thema (etwa „Ornament und Abstraktion“ Fondation Beyeler 2001, „Die Macht des Ornaments Belvedere Wien 2009, „Die ornamentale Geste“ Künstlerhaus Dortmund 2011) belegen diese These eindrucksvoll. ...


...Das Werk von Thomas Dietz lässt sich als zeitgenössische Umsetzung dieser Grundhaltung(en) begreifen. Er schafft mit seinen Bildern und Raumgestaltungen eine inspirierende Umgebung mit Ornamenten, die der Ikonografie unserer Zeit verpflichtet sind. Die oft auf Ovalen, Stern- und Rautenformen basierenden Ornamente spielen mit Assoziationen zu gewöhnlicher Gebrauchsgrafik und vordergründigem Produktdesign.


In ihrer Rhythmisierung, Wiederholung und geringen Modulation verweisen die Arbeiten auch auf die Struktur zeitgenössischer elektronischer Musik, die für den Künstler eine wichtige Inspirationsquelle darstellt. 


Gleichzeitig sind die verwendeten Ornamente in gewisser Weise aus der Zeit gefallen. Die von der Alltagskultur abweichende Farbigkeit, die Loslösung vom konkreten Produkt und die makellose Ausführung stellen den Bezug her zu der Ästhetik von zeitlosen Luxusgütern wie hochwertigen Stoffen für den Wohnbereich, unikatärem Schmuck und Designermode. Trotz ihrer fast eleganten Erscheinung blitzt das Flirren der Lichter auf dem Jahrmarkt und der seicht-verheißungsvolle Glanz von Spielotheken auf.


So gesehen erscheinen die Tafelbilder von Thomas Dietz als die vielschichtige Modulation kindlicher Sensationen von blinkenden Lichtern und lockenden Bildern.


Diese geschickte Gratwanderung von Thomas Dietz zwischen der Verwendung des Ornaments als konkretem Inhalt seiner gegenstandslosen Malerei und gleichzeitig sowohl Ausdrucksmittel des gehobenen (Musik)Geschmacks als auch des trashigen, stupiden Bekleisterns jeder Oberfläche, um laut auf sich aufmerksam zu machen, fasst er selbst treffend zusammen als: minimal Pop


Sasa Hanten

2012


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Thomas Dietz,  1962 Mayen/Eifel


seit 1992  · Künstler und Designer in Köln


1992 – 93 · Kunstakademie Düsseldorf, Klasse für Malerei, Prof. Jan Dibbets


1987 – 92 · Fachhochschule für Design Aachen, interdisziplinäre Arbeit und Malerei, Prof. Minarik, Prof. Ijewski

                  · Norfolk Institute of Art, Norwich GB


1986 – 87 · Fachhochschule für Architektur Trier


1985 – 86 · Fachoberschule für Gestaltung, Aachen


1983 – 85 · Zivildienst


1980 – 83 · Steinmetzlehre in Mayen


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2017        ·  freshtest 3.0 · Gruppenausstellung im Kunstverein Kölnberg e.V. und der Galarie Ulf Larsson, Köln
                    mit Claudia Larissa Artz, Peter Baader, Michael Bause, Katrina Blannin, Britta Bogers, Martin Durham, Friedhelm Falke, Stamatis Papazoglou ,

                    Nina Pops, Richard Schneider, Peter Telljohann


2016        ·  freshtest 2.0 · Gruppenausstellung im Kunstverein Kölnberg e.V., Köln

                    mit Peter Baader, Heiner Blumenthal, Britta Bogers, Ralf Edelmann, Friedhelm Falke, Michael Kaul, Thomas Kemper, Klaus Kleine, Sabine Krasel ,

                    Ruri Matsumoto, Andreas Plum , Richard Schneider, Susanne Stähli

                 ·  ROSS open · offenes Atelier mit Friedhelm Falke, Katja Butt, Yvonne Diefenbach und Götz Sambale, Köln


2015        ·  freshtest 1.0 · Gruppenausstellung im Kunstverein Kölnberg e.V., Köln

                    mit Peter Baader, Thomas Bechinger, Britta Bogers, Claudia Desgranges , Nikola Dimitrov , Friedhelm Falke, Ab van Hanegem, Michael Jäger

                    Martijn Schuppers, Paul Schwer, Volker Wevers

                 ·  Nachbilder  · Gruppenausstellung,  Petersburger Raum für Kunst, Köln


2014         ·  Moderne Flächen · Einzelausstellung bei McDermott Will & Emery, Düsseldorf

                 ·  dasein · Gruppenausstellung mit Friedhelm Falke, Katja Butt und Ekkehard Neumann, Köln

                 ·  pleasure · Kunstverein Kölnberg e.V., Gruppenausstellung mit Friedhelm Falke, Ivo Ringe und Götz Sambale, Köln


2013        ·   Das Kleine Format  · Gruppenausstellung Galerie Splettstößer, Kaarst

                 ·  circle game  · Gruppenausstellung mit Maja Clas, Nikola Dimitrow und Friedhelm Falke, Köln


2009         ·  Playlist · Gruppenausstellung Galerie Michael Schneider, Bonn


2001         ·  Telefon · Gruppenausstellung Neuer Aachener Kunstverein, Aachen


2000        ·  Modern modern · Gruppenausstellung Galerie Schlick, Düsseldorf

                    mit Marco Lietz, Andreas Löschner-Gornau, Hans Martin Fink

                 

1998        ·  Was Friseure können, können nur Friseure · mit Marco Lietz im Mehrwert Kunstverein, Aachen


1998        ·  Homeimprovement · mit Petra Herzog, Uta Weber und Thomas Stimm, Stichting Centrum voor Hedendagse Kunst Maastricht, Maastricht NL


1992        ·  Die Anderen Zehn · Neuer Aachener Kunstverein, Aachen


1991        ·  Erasmus Exhibition · gallery of the Norfolk Institute of Art, Norwich GB


1990        ·  Die Anderen Zehn · Neuer Aachener Kunstverein, Aachen